{"id":6105,"date":"2022-12-15T12:00:25","date_gmt":"2022-12-15T11:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=6105"},"modified":"2023-02-17T14:04:12","modified_gmt":"2023-02-17T13:04:12","slug":"niemand-kann-zwei-herren-dienen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=6105","title":{"rendered":"Niemand kann zwei Herren dienen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wort des Pfarrers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein geistlicher Verlust f\u00fcr das Dorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte ich nicht erwartet. Als ich das Pfarramt in Hundwil \u00fcbernommen habe, hatte es in Hundwil zwei Altersheime. 16 Monate nach meinem Amtsantritt haben wir keins mehr. Innerhalb nicht einmal eines Jahres, wurden das Pfand und das Erika geschlossen.-<\/p>\n\n\n\n<p>Relativ kurzfristig hatten die Bewohnter die Nachricht erhalten, dass sie noch einmal ihr Hab und Gut packen m\u00fcssen. Die meisten von ihnen hatten gemeint, dass das Pfand, das Erika ihr letztes zu Hause sein werde, bevor sie dann in ihre letzte irdische Ruhest\u00e4tte ziehen, dorthin wo wir alle einmal hin m\u00fcssen, ins Grab. Doch es kam anders. Der Gemeinderat Hundwil hatte nach eingehender Pr\u00fcfung entschieden, dass es sich f\u00fcr Hundwil nicht mehr lohne, das Heim weiter zu f\u00fchren. Mit schwerem Herzen ist auch die Besitzerin des Hauses Erika zum Entschluss gelangt, das Erika zu verkaufen und, als sie keinen Nachfolger finden konnte, es zu schliessen.<\/p>\n\n\n\n<p>So mussten die Bewohner des Pfand und des Erika in ihrem Alter noch einmal aufbrechen, weg von ihrem \u201eletzten\u201c zu Hause, weg vom heimeligen Pfand und Erika, weg von den bekannten und gesch\u00e4tzten Pflegerinnen in ein fremdes Haus mit fremden Menschen. (H\u00e4tte man die Alten gefragt, keiner von ihnen h\u00e4tte diesen Tausch gewollt nur f\u00fcr eine eigene Nasszelle und ein gr\u00f6sseres Zimmer.)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr manchen Hundwiler fiel nun der Besuch im Pfand w\u00e4hrend eines Spaziergangs dahin. Momentan k\u00f6nnen wir ukrainische Fl\u00fcchtlinge besuchen, die im Pfand ein Obdach gefunden haben. Doch wissen wir, dass dies nur vor\u00fcbergehend ist. Beim Erika sitzt nun niemand mehr auf dem Sitzplatz oder im Speisesaal und l\u00e4chelt und winkt fr\u00f6hlich, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen. Eine gespenstische Leere kommt einen nun aus diesem Haus entgegen, da seit Generationen die Alten ihr letztes zu Hause finden durften.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Pfarrer hatte ich nur noch wenig Zeit, das Pfand und seine Bewohner richtig kennen zu lernen. Doch wurde dort mit den Bewohnern seit Jahren durch verschiedene Freiwilligen fast t\u00e4glich eine Andacht gehalten. Es wurde ein Bibelwort gelesen, gesungen und gebetet. Der Name Gottes war in diesem Haus pr\u00e4sent, wie kaum in einem Haus sonst in Hundwil. Im Erika feierte ich all zwei Wochen einen richtigen Gottesdienst mit einer kleinen, treuen Schar. Auch durch meine regelm\u00e4ssigen Einzelbesuche sind mir die Nachbarn ans Herz gewachsen. Manch sch\u00f6nes und herzerquickendes durfte ich da h\u00f6ren, aber auch viel trauriges und ersch\u00fctterndes. Wie wohl hat es da jeweils getan, im heimeligen Zimmer ein Kirchenlied zu singen und gemeinsam ein Gebet zu sprechen und so gest\u00e4rkt zu werden im Glauben an den, der in Freud und Leid f\u00fcr die Seinen sorgt. Dass nun weder im Erika noch im Pfand der Name Gottes nicht mehr institutionalisiert Raum erhalten soll, das ist ein unfassbarer geistlicher Verlust f\u00fcr unser Dorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass es hier bei uns nun keinen offiziellen Ort mehr gibt, da die Schwachen und Hilfsbed\u00fcrftigen Unterst\u00fctzung und Hilfe erhalten. Denn auch wenn diese Hilfe l\u00e4ngst professionalisiert ist (und nicht mehr wie in ihren Urspr\u00fcngen in den Kl\u00f6stern und Hospizen f\u00fcr Gotteslohn getan wird), so war es in diesen beiden H\u00e4usern doch allen Hundwilern m\u00f6glich, durch einen Besuch, einen Fahrdienst, oder auch nur durch ein freundliches Winken den Schwachen zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich manches Mal gefragt, auch durch verschiedene Gespr\u00e4che im Dorf angeregt, ob es nicht h\u00e4tte anders kommen k\u00f6nnen. Was w\u00e4re gewesen und geworden, wenn schon vor Jahren die beiden Besitzer zusammengespannt h\u00e4tten und gewisse Arbeits- und Kostenfelder h\u00e4tten geteilt werden k\u00f6nnen? H\u00e4tten wir in Hundwil dann noch ein Haus, darin unsere Alten, darin eines Tages wir selbst, ihr letztes zu Hause h\u00e4tten finden k\u00f6nnen? Wo, zus\u00e4tzlich zur Kirche, auch der Name Gottes eine Heimat gehabt h\u00e4tte?-<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte der strukturelle und finanzielle Zwang verhindert werden k\u00f6nnen?-<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr beide H\u00e4user waren die angek\u00fcndigten \u00c4nderungen der kantonalen Vorschriften f\u00fcr Altersheime entscheidend. Ohne bauliche Massnahmen und grosse finanzielle Investitionen auch in die immer aufwendigere und teurere Pflege w\u00e4re es deshalb kaum m\u00f6glich gewesen eine weitere Betriebsbewilligung zu erhalten und weiterhin ein vom Kanton anerkanntes Altersheim zu bleiben und damit auch die (Steuer-) Gelder vom Kanton zu kassieren.-<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeld regiert die Welt\u201c, heisst der bekannte Spruch. Jesus Christus hat es differenzierter gesehen. Er hat gesagt: \u201eNiemand kann zwei Herren dienen. Ihr k\u00f6nnt nicht Gott dienen und dem Mammon\u201c (Matth\u00e4us 6, 24).<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Hondwiler Bl\u00e4ttli, 1. Quartal 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wort des Pfarrers Ein geistlicher Verlust f\u00fcr das Dorf Das hatte ich nicht erwartet. Als ich das Pfarramt in Hundwil \u00fcbernommen habe, hatte es in Hundwil zwei Altersheime. 16 Monate nach meinem Amtsantritt haben wir keins mehr. 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