{"id":7853,"date":"2024-07-06T20:23:17","date_gmt":"2024-07-06T18:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=7853"},"modified":"2024-10-12T16:08:01","modified_gmt":"2024-10-12T14:08:01","slug":"das-betttagsmandat-der-berner-regierung-von-1831","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=7853","title":{"rendered":"Das Betttagsmandat der Berner Regierung von 1831"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wort des Pfarrers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Am 15. September begehen wir mit dem M\u00e4nnerchor in der Kirche den eidgen\u00f6ssischen Dank,- Buss- und Bettags. Anstelle des Wort des Pfarrers soll deshalb hier das offizielle Bettagsmandat von 1831 stehen. Nicht von der Kirche, sondern von der Regierung verfasst:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong><em>W<\/em><\/strong><em>ir Schultheiss und Rath der Stadt und Republik Bern entbieten allen unseren lieben und getreuen Mitb\u00fcrgern zu Stadt und Land unsern wohlgeneigten Willen und geben ihnen zu vernehmen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dass wir nach der frommen Sitte unserer V\u00e4ter mit dem s\u00e4mmtlichen l\u00f6blichen St\u00e4nden der Eidgenossenschaft einen gemeinschaftlichen Dank-, Buss- und Bettag angesetzt haben auf den 8. Herbstmonat n\u00e4chstk\u00fcnftig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>B<\/em><\/strong><em>etet und tuth Busse, so ruft uns Gott durch seine Propheten, unser Gott, unser Vater, der seinen eingebornen und geliebten Sohn dahingegeben zur Vergebung f\u00fcr ein s\u00fcndiges und undankbares Geschlecht. Und lauter und vernehmlicher dringt heute dieser Ruf zur Busse zu uns, da so viele Ereignisse an die Verg\u00e4nglichkeit alles Irdischen erinnern und unsre Gedanken hinziehen zu dem, der der Menschen Schicksale in seiner Hand hat. M\u00e4chtig schwingt der Engel des Todes seine Sichel und zu Tausenden fallen die Kinder des Staubes dahin, menschliche Weisheit vermochte noch keine Schranken zu setzen der verheerenden Seuche, der Allm\u00e4chtige einzig wird das Ziel ihr setzen. Zerst\u00f6rend wirkt die Fackel des Krieges in mehr alls einem Lande und schl\u00e4gt tausendf\u00e4ltige Wunden denen, die davon heimgesucht werden. Die Zwietracht dringt verderbenbringend durch die Nationen und l\u00f6st die engsten Bande, die f\u00fcr ganze Geschlechter, ja f\u00fcr Jahrhunderte gekn\u00fcpft waren, ja ganz Europa wankt und sieht mit Bangigkeit der Zukunft entgegen: wohl sind das Tage, die zur Busse rufen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>N<\/em><\/strong><em>och ist zwar unser Vaterland verschont geblieben bis jetzt von einem Theile dieser \u00dcbel, noch sind Krieg und Seuche nicht \u00fcber dasselbe eingebrochen, daf\u00fcr lasst uns Gott ernstlich danken, aber nicht bloss durch Worte, sondern durch den Wandel, es gibt keinen aufrichtigen Dank, als der mit Ehrfurcht gegen den Geber und mit treuem Gebrauch seiner Gaben verbunden ist. Eines solchen lebendigen Dankes d\u00fcrfen wir uns leider noch nicht r\u00fchmen: unser Wandel war nicht vor Gott, denn zu den sittlichen Gebrechen, die wir schon fr\u00fcher beklagten, wie Gleichg\u00fcltigkeit gegen die Religion, Ausgelassenheit, Unzucht, Hoffahrt und \u00dcbermuth, sind noch neue hinzugekommen: Ungehorsam gegen die Gesetze, unm\u00e4ssiger Besuch der Trinkstuben, Vers\u00e4umnis der Berufsgesch\u00e4fte und zunehmende Entfremdung vom h\u00e4uslichen Leben. Aber nicht nur die, welche in diesen \u00dcbertretungen ihre Schuld erkennen m\u00fcssen, sondern wir alle, alle haben ges\u00fcndigt, in allen St\u00e4nden des Volkes, in allen Altern haben wir vielfach gefehlt gegen die Gebote des allm\u00e4chtigen Vaters, die er den Menschen gegeben zu ihrem Heil, damit sie das ewige Leben gewinnen, haben Strafe und Z\u00fcchtigung verdient. Darum lasset uns alle aufrichtig Busse thun und flehen zu Gott, dass er uns nicht strafe nach unsrer Schuld, sondern uns verzeihe um seines Sohnes, unseres Heilandes, willen. Bitten wir den Allm\u00e4chtigen, dass er uns schenke seinen heiligen und guten Geist, damit wir in Zukunft mehr als bisher thun nach seinem Willen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>P<\/em><\/strong><em>flanzet Gottesfurcht, jeder vorerst in seinem eigenen Herzen, dann in seinem Haus und dadurch unter dem ganzen Volk. Gottesfurcht ist die Grundlage alles Gl\u00fcckes, durch sie bewahrten einst unsere V\u00e4ter Zucht und Ordnung, durch sie wurden sie arbeitsam, zufrieden, freudig zu jeder Pflicht, durch sie waren sie stark in jeglicher Gefahr und getrost in der Stunde des Todes. Lasst uns ringen nach diesem k\u00f6stlichen Gute und es wieder einheimisch machen bei uns.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>M<\/em><\/strong><em>it dieser sch\u00f6nen Tugend verbindet sich dann die N\u00e4chstenliebe, diese unerl\u00e4ssliche Bedingung innerer Zufriedenheit, durch sie wird das Herz veredelt und das Leben versch\u00f6nert. O darum lasst uns verbannen aus dem Herzen jegliche b\u00f6se Leidenschaft, allen Hass, allen Neid, alle Rache, alle Selbstsucht, die uns von dem Reiche Gottes entfernen und durch welche jedes fremde Gl\u00fcck zertr\u00fcmmert, jedes eigene Gut durch Unmuth wertlos wird, die Liebe und Wohlwollen, damit Gottes Liebe mit euch sey. Helfet, wo ihr zu helfen verm\u00f6get, lindert Not und Elend, wo ihr sie findet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>E<\/em><\/strong><em>inen dringenden Aufruf dazu habt ihr in dem unerwarteten, aber grossen Ungl\u00fcck, das einige Gegenden unseres Vaterlandes betroffen hat. Anhaltende Regeng\u00fcsse und das durch einen lauen Wind herbeygef\u00fchrte schnelle Schmelzen des Schnees schwellten die Gew\u00e4sser des Hochgebirges an, dass sie zu furchtbaren Str\u00f6men erwuchsen, die Br\u00fccke fortschwemmten, Strassen wegrissen, H\u00e4user zerst\u00f6rten, die Th\u00e4ler \u00fcberfluteten und sie an vielen Orten mit Sand und Gestein bedeckten. Wohl eilten wir den Ungl\u00fccklichen mit dem obrigkeitlichen Beystande zu Hilfe, aber das reicht nicht hin, die Noth ist gross, das Elend mannigfaltig, euer Christensinn, euer liebevolles Herz wird sich auch diesmal bew\u00e4hren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Z<\/em><\/strong><em>um letzten Male, liebe Mitb\u00fcrger, verk\u00fcndigen wir euch den Bettag, m\u00f6ge unser Ruf bey vielen Eingang finden und den Sinn der Busse wecken, der zu dem ewigen Leben f\u00fchrt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>W<\/em><\/strong><em>ir flehen zu Gott, dem allm\u00e4chtigen Sch\u00f6pfer und Vater, dass er auch uns verzeihe nach seiner Langmuth, uns nicht richte nach unserem Verdienst, sondern nach seiner Gnade durch unseren Heiland. Wir flehen zu ihm um seinen Segen f\u00fcr das Land, dem wir bisher vorgestanden sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Damit aber der Feyer des Bettages auch die \u00e4usserliche Stille entspreche, so verordnen wir, dass sowohl Tags vorher von drey Uhr Abends an, als an heiligem Feste selbst alle Wirts- und Pintenh\u00e4user f\u00fcr jedermann, fremde Reisende ausgenommen, verschlossen seyen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gegeben Bern, den 24. August 1831, Kanzley Bern<\/em>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Hondwiler Bl\u00e4ttli, 3. Quartal 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wort des Pfarrers Am 15. September begehen wir mit dem M\u00e4nnerchor in der Kirche den eidgen\u00f6ssischen Dank,- Buss- und Bettags. Anstelle des Wort des Pfarrers soll deshalb hier das offizielle Bettagsmandat von 1831 stehen. 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