{"id":852,"date":"2014-08-07T08:51:21","date_gmt":"2014-08-07T08:51:21","guid":{"rendered":"\/?page_id=852"},"modified":"2025-08-08T06:06:34","modified_gmt":"2025-08-08T04:06:34","slug":"19152015-jakob-kunzler","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=852","title":{"rendered":"Jakob K\u00fcnzler 1871-1949"},"content":{"rendered":"\n<p>Jakob K\u00fcnzler wird zu Recht hoch geachtet als ein aussergew\u00f6hnlich geschickter, einsatzbereiter und umsichtiger Vertreter der Schweizerischen Hilfsbereitschaft. Er dokumentierte atemberaubend sachlich den vieltausdenfachen Mord an den Armeniern im Jahr 1915 und wurde nach dem 1. Weltkrieg mit seiner Frau Elisabeth zusammen zum Retter und Tr\u00f6ster von 8000 Waisenkindern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8761\" style=\"width:436px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-300x200.jpg 300w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-768x512.jpg 768w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Geburtshaus-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>K\u00fcnzler wurde am 8.M\u00e4rz 2021 im Rothuus (heute Sonnenfeld) in Hundwil geboren.<br>Die Familie zog nach Teufen, wo der Vater starb, als K\u00f6bi erst vier Jahre alt war. Die sechs Halbwaisenkinder kamen zu Verwandten, K\u00f6bi eine kurze Zeit lang zur\u00fcck zu Onkel und Tante in Hundwil. Er war froh, bald schon wieder zu seiner Mutter zur\u00fcckzukehren. Seinem Lehrer in der Volksschule Teufen blieb er zeitlebens dankbar daf\u00fcr, dass er in ihm die Freude am Lernen weckte. Er war elfeinhalb Jahre alt, als auch seine Mutter starb. Nach einigen ungl\u00fccklichen Jahren sah er sich geborgen und geliebt bei seinen Grosseltern und seinem G\u00f6tti in Stein. Bei diesem lernte er das Handwerk des Zimmermanns. Er wurde von Pfarrer Meier unterwiesen und in der Kirche Stein konfirmiert. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8762\" style=\"width:421px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-300x200.jpg 300w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-768x512.jpg 768w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Rueti-Stein-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf der Walz in Basel lernte er &#8222;Diakone&#8220; kennen: Eine Gemeinschaft von M\u00e4nnern, die in einer frommen Basler Stiftung solide Kenntnisse in der Krankenpflege und in der Kunst der Seelsorge erwarben. K\u00fcnzler wurde in ihren Kreis aufgenommen. Im Basler B\u00fcgerspital gewann er mit seiner robusten Pr\u00e4senz und seinem trockenen Humor die Achtung und Dankbarkeit der leitenden \u00c4rzte. Einer von ihnen, Herman Christ, \u00fcbernahm nach dem Massaker an den Armeniern 1895 die Leitung einer kleinen Klinik der &#8222;Orientmission&#8220; in Urfa (in der heutigen T\u00fcrkei). Schon bald bat er darum, ihm einen t\u00fcchtigen Helfer zu schicken, &#8222;am liebsten den Appenzeller K\u00fcnzler&#8220;. 1899 kam K\u00fcnzler nach Urfa und wurde in kurzer Zeit zum Gesicht der Klinik. Er lernte rasch, sich auf T\u00fcrkisch, Armenisch, Arabisch, Kurdisch und Englisch zu verst\u00e4ndigen, bew\u00e4hrte sich bei Tag und Nacht in der Krankenpflege und fand Freunde in allen Volksgruppen. Der systematischen Verschleppung und Ermordung der armenischen, syrischen und griechischen Minderheit konnten auch er und seine Frau nur wenig entgegensetzen. Seine Berichte wurden 1921 publiziert unter dem Titel &#8222;Im Land des Blutes und der Tr\u00e4nen&#8220;. Sie gelten bis heute als eines der wichtigsten Zeugnisse dessen, was man sp\u00e4ter den ersten V\u00f6lkermord der Moderne genannt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Bald zeigte sich, dass der Diktatfrieden von S\u00e9vres der Machtentfaltung des t\u00fcrkischen Nationalstaates nicht standhalten konnte. Das Leben der vielen armenischen Waisenkinder war akut gef\u00e4hrdet. Jakob und Elisabeth K\u00fcnzler erhielten vom American Near East Relief den Auftrag, diese Kinder in den Libanon in Sicherheit zu bringen. In Trecks mit jeweils gut hundert bis f\u00fcnfhundert Kindern gelang es ihnen, insgesamt 8000 Kinder in Sicherheit zu bringen, durch Gebiete hindurch, in denen es kaum funktionst\u00fcchtige Transportmittel und keine Rechtssicherheit gab. In Ghazir wurden sie f\u00fcr 1004 Waisenkinder zu &#8222;Mama und Papa K\u00fcnzler&#8220;. Sie sorgten daf\u00fcr, dass die Kinder ein Handwerk lernen und erste Schritte in ein eigenst\u00e4ndiges Leben tun konnten. Bis heute erz\u00e4hlen Nachkommen dieser Kinder dankbar von der energischen, herzlichen, humorvollen F\u00fcrsorge K\u00fcnzlers.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/jakob_kuenzler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"280\" src=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/jakob_kuenzler.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8765\" srcset=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/jakob_kuenzler.jpg 400w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/jakob_kuenzler-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Orphans-exodus-from-Turkey.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"626\" src=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Orphans-exodus-from-Turkey-1024x626.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8763\" style=\"width:405px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Orphans-exodus-from-Turkey-1024x626.jpg 1024w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Orphans-exodus-from-Turkey-300x183.jpg 300w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Orphans-exodus-from-Turkey-768x469.jpg 768w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Orphans-exodus-from-Turkey.jpg 1415w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"773\" src=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-1024x773.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8764\" style=\"width:404px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-1024x773.jpg 1024w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-300x226.jpg 300w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-768x580.jpg 768w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-1536x1159.jpg 1536w, https:\/\/kirchehundwil.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Jacob-with-girls-weaving-a-rug-2048x1546.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit Hilfe eines grossen Unters\u00fctzerkreises in der Schweiz gr\u00fcndete K\u00fcnzler in Beirut eine Siedlung f\u00fcr armenische Witwen, ein Heim f\u00fcr Blinde und Versehrte und schliesslich ein Sanatorium f\u00fcr Tuberkulosekranke.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 17. Januar 1949 starb K\u00fcnzler in Ghazir, zwei Tage sp\u00e4ter wurde er in Beirut feierlich beigesetzt. Auf den Tag genau neunzehn Jahre sp\u00e4ter starb seine Frau Elisabeth. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein kurzer Ausschnitt aus einer amerikanischen Wochenschau zeigt Jakob K\u00fcnzler fr\u00f6hlich mit armenischen Waisenkindern spielen. Beirut im Jahr 1924. <br><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-Ar6dpBflfc\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-Ar6dpBflfc<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jakob K\u00fcnzler wird zu Recht hoch geachtet als ein aussergew\u00f6hnlich geschickter, einsatzbereiter und umsichtiger Vertreter der Schweizerischen Hilfsbereitschaft. Er dokumentierte atemberaubend sachlich den vieltausdenfachen Mord an den Armeniern im Jahr 1915 und wurde nach dem 1. 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