{"id":9495,"date":"2026-07-25T18:17:33","date_gmt":"2026-07-25T16:17:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=9495"},"modified":"2026-07-25T18:27:11","modified_gmt":"2026-07-25T16:27:11","slug":"schoenes-wochenende","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?page_id=9495","title":{"rendered":"Sch\u00f6nes Wochenende!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wort des Pfarrers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn die Glocken am Sonntagmorgen die neue Woche einl\u00e4uten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen kurzen Wunsch h\u00f6ren wir oft. Und die meisten sagen ihn ebenfalls h\u00e4ufig. Wenn am Freitag die Schule aus oder Feierabend ist, wenn wir am Freitag oder Samstag jemanden antreffen unterwegs, beim Einkaufen in der Metzgerei, im Hirschen oder auf dem Weg zur H\u00f6hi.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcnscht man dem Anderen damit einen sch\u00f6nen, guten, erholsamen Samstag und Sonntag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das war nicht immer so. Und was die meisten nicht mehr wissen; es ist falsch. Die Woche endet am Samstag und beginnt mit dem Sonntag, dem eigentlichen ersten Tag der Woche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den einfachen Beweis daf\u00fcr finden wir in unserer Sprache. Diese bezeichnet den Mitt-woch als Mitte der Woche und nicht den Donnerstag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Samstag ist das Wochenende und der Sonntag ist der Wochenanfang. Gem\u00e4ss des biblischen Berichts, an welchem Gott am Sonntag die Sch\u00f6pfung der Welt begonnen und am Samstag (Sabath) vollendet und geruht hat (1. Mose 2, 1 ff.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgehend von der j\u00fcdischen Tradition war auch f\u00fcr die Christen der Samstag das Wochenende und zu Beginn der Kirche zugleich der Ruhetag, das heisst, f\u00fcr diejenigen, die keine Sklaven waren. Auch die ersten Christen feierten am Samstag den Gottesdienst. Am Sonntag, dem Beginn der Woche wurde gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil aber laut den Evangelien Jesus Christus an einem Sonntag auferstanden ist (\u201e<em>Fr\u00fch am ersten Tag der Woche<\/em>\u201c heisst es \u00fcbereinstimmend), sammelten sich die Christen, f\u00fcr die es m\u00f6glich war bald auch am Sonntag zum Gottesdienst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 321 definierte der r\u00f6mische Kaiser Konstantin den Sonntag f\u00fcr alle Bewohner seines riesigen Reiches verpflichtend als Feiertag, an welchem nicht gearbeitet werden sollte, damit alle die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, am Tag der Auferstehung des Herrn sich zum Gottesdienst zu sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat der Sonntag in der Kirche langsam den Sabbath als freien Feiertag f\u00fcr den Gottesdienst abgel\u00f6st. Doch immer war klar, dass der Samstag der letzte Tag der Woche ist und der Sonntag der erste Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fast 2 Jahrtausende fand in dieser Gestaltung der Woche die Botschaft des Evangeliums einen den Alltag der Menschen ganz grundlegend pr\u00e4genden Ausdruck:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir Christen m\u00fcssen uns das Gute und auch das Heil nicht verdienen mit unseren Werken. Wir k\u00f6nnen es ja gar nicht, so sehr wir uns auch bem\u00fchen. Gott schenkt es uns! Das viele Gute, das unsere Leben hier auf Erden wert und reich macht und auch das ewige Heil in Jesus Christus, dem wir unser Vertrauen schenken und nachfolgen sollen. Diese Gnade hat \u00fcber viele Jahrhunderte das Leben der Menschen gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht mit dem f\u00fcr viele ungeliebten Montag beginnt die neue Woche, da wir uns unser Gl\u00fcck selbst zu erarbeiten versuchen m\u00fcssen, sondern mit dem freien Sonntag, da Gott uns sein Evangelium und seinen Segen schenkt, daraus alles Gute und das Heil fliesst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst ein halbes Jahrhundert ist es her, seit das offiziell ge\u00e4ndert wurde. Am 1. Januar 1976 wurde die von der Internationalen Organisation f\u00fcr Normung (ISO) empfohlene radikale Neuordnung der Woche in der Schweiz, Deutschland und \u00d6sterreich eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sonntag als Tag der Sch\u00f6pfung und Tag der Auferstehung, als Tag des allerersten Anfangs und als Tag des Neuanfangs wurde offiziell degradiert zum Ende der Woche. Er soll nicht mehr der Anfang der neuen Woche sein im Licht der Gnade Gottes, da Gott uns alles schenkt, sondern ein reiner Erholungstag von der Arbeit am Ende der Woche, da die Arbeiter ihre verdiente \u201eFreizeit\u201c auskosten und sich wieder fit machen f\u00fcr die n\u00e4chste Wochenschicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist bezeichnend, dass in den entscheidenden Kommissionen damals nur Vertreter der Wirtschaft, (Informations-)Technologie, Logistik und B\u00fcrokratie und keine der Kirchen sassen. Man wollte damit den rasanten \u00c4nderungen, welche die Automatisierung und aufkommende Digitalisierung mit sich brachte, eine f\u00fcr alle geltende Ordnung geben. Da stand der Sonntag als Anfang der Woche quer, weil die Arbeitswoche am Montag begann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem hatte sich im Bewusstsein vieler Menschen bereits das Wochenende als Samstag und Sonntag festgesetzt. Man ging in Folge der liberalen Theologie und im Zuge der Industrialisierung je l\u00e4nger je weniger am Sonntag in die Kirche, sondern erholte sich mit aufkeimenden \u201eFreizeit\u201c &#8211; Angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So das heute der Sonntag f\u00fcr viele Menschen zusammen mit dem Samstag das \u201efreie\u201c Wochenende bildet, das man sich durch die Arbeit von Montag bis Freitag redlich verdient zu haben meint und da man die \u201efreie Zeit\u201c mit Konsum aller Art f\u00fcllt. (Das erste Mal findet sich im Duden das Wort Wochenende 1915. Da noch im alten Sinn des Samstags).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es mag unbedeutend erscheinen, doch meines Erachtens h\u00e4ngt davon mehr ab, als wir uns vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lassen wir uns weiterhin vom wirtschaftlichen Leistungs- und Profitmaximierungsdenken beherrschen, das schon fast alle Bereiche des Lebens beherrscht? Und werden weiter gepr\u00e4gt in der irrigen Vorstellung, dass wir die Ruhe des \u201eWochenendes\u201c verdient h\u00e4tten? Und dann, nach einem t\u00fcchtigen Leben auch die ewige Ruhe im Reich Gottes? &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vier Glocken im Turm unserer Kirche rufen uns (mit erneuertem Klang) jeden Sonnabend das Gegenteil zu, wenn sie die alte Woche ausl\u00e4uten und mit dem Sonntag die neue Woche einl\u00e4uten. Und dann am Morgen der neuen Woche, wenn sie uns einladen zum Gottesdienst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir d\u00fcrfen uns am Anfang der neuen Woche im Namen Gottes versammeln und von ihm in seinem Wort gelehrt, zurechtgewiesen, getr\u00f6stet und gest\u00e4rkt werden und je und je im Abendmahl die Gemeinschaft mit ihm erneuern. Um dann so auferbaut mit seinem Segen den ersten Tag der Woche in Ruhe zu verbringen, um dann am zweiten Tag der Woche mit frischen Kr\u00e4ften und frischer Zuversicht, die Arbeit an die Hand zu nehmen, im Wissen:&nbsp;&nbsp;Wir d\u00fcrfen und sollen treu unsere Arbeit tun, mit der Bitte, dass Gott sie segnet und ihr gute Fr\u00fcchte angedeihen lasse und im Vertrauen, dass er vollenden wird, was er an uns angefangen hat. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht k\u00f6nnen wir das hier und da wieder neu lernen und w\u00fcnschen uns als Ausdruck dieses Denkens dann reflektierter ein \u201esch\u00f6nes Wochenende\u201c, oder vielleicht \u201eeinen sch\u00f6nen Sonntag\u201c oder \u201eeinen guten Wochenwechsel\u201c. Und wachsen auch da hinein, in die Freiheit, die Gott seinen Kindern geben will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pfarrer David M\u00e4gli<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Hondwiler Bl\u00e4ttli, 3. Quartal 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wort des Pfarrers Wenn die Glocken am Sonntagmorgen die neue Woche einl\u00e4uten Diesen kurzen Wunsch h\u00f6ren wir oft. Und die meisten sagen ihn ebenfalls h\u00e4ufig. 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