{"id":7489,"date":"2024-03-28T21:18:05","date_gmt":"2024-03-28T20:18:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?p=7489"},"modified":"2024-03-28T21:18:06","modified_gmt":"2024-03-28T20:18:06","slug":"von-innen-her-reformiert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?p=7489","title":{"rendered":"Von Innen her reformiert werden"},"content":{"rendered":"\n<p>Wort des Pfarrers<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur\u00fcck zum Wort<\/h2>\n\n\n\n<p>500 Jahre ist es her, als in die Appenzeller an der Landsgemeinde in Appenzell entschieden haben, dass kein \u201e<em>kein Priester und Prediger fortan etwas anderes lehren solle, als was er aus der heiligen Schrift beweisen k\u00f6nne<\/em>\u201c. Damit war die Reformation auch im Appenzellerland sozusagen offiziell.<\/p>\n\n\n\n<p>Das lasterhafte Leben vieler Priester und M\u00f6nche, sowie die perverse Vorstellung, dass man sich den Himmel kaufen k\u00f6nne, indem man mit Geld f\u00fcr seine S\u00fcnden bezahlt, hatten auch bei uns den Boden daf\u00fcr bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Wer dem zuwider handeln w\u00fcrde, der solle das Land verlassen und es solle ihm Mus und Brod zu essen verboten sein<\/em>\u201c, hiess es weiter in dem Beschluss der Landsgemeinde. Gott sei Dank wurde diese H\u00e4rte schon bald gemildert! Anders als in vielen Orten der damaligen Eidgenossenschaft, ist im dreizehnten Ort Appenzell die Reformation insgesamt sehr friedlich verlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der ausserordentlichen Landsgemeinde vom 6. August 1524 schlug der Hundwiler Jos Schuhmacher vor: \u201e<em>dass man soll in jeglicher Kirchh\u00f6ri meeren, wellichen Glouben sie wellti annehmen, und was denn die meerer Hand erhalte, dem solle die minder volgen, doch das der Glouben frey syge, und dass keine Partey die ander zu glauben zwinge, sondern wohin ein jeglichen syn gw\u00fcssen wyse, dem s\u00f6lle er nachfolgen, dergstalt, dass wenn es einem in der Kilch nit gfalle, dass er in einer Ander ohne alle Entgeltnuss d\u00fcrfe gon; man solle aber in einer Kilch nit mer dann ein Gottesdienst \u00fcben.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem Antrag trat die Landsgemeinde einhellig bei. Seither haben die r\u00f6misch-katholischen (eher im inneren Roden) und die reformierten Christen (eher im \u00e4usseren Rhoden) im Appenzellerland ziemlich friedlich nebeneinander ihren Gottesdienst gefeiert und gelebt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNon vi, sed verbo\u201c &#8211; \u201eNicht durch Gewalt, sondern durch das Wort\u201c. Das hatte Martin Luther den \u00fcbereifrigen Christen gepredigt, welche die Reformation mit Gewalt durchsetzen wollten. Was der Christenheit zur Zeit der Reformation wieder neu geschenkt worden ist, das ist etwas, das man nicht mit menschlicher Macht durchsetzen sollte. Zum Glauben kann und soll niemand gezwungen werden. Das Gewissen eines Menschen ist allein seine und seines Gottes Angelegenheit. Gott selbst hat in Jesus Christus auf seine Macht verzichtet und will durch sein Wort unser Vertrauen und unsere Liebe gewinnen, nicht erzwingen. \u201eNon vi, sed verbo.\u201c Im Appenzellerland durfte dies wie kaum woanders Wirklichkeit werden. Etwas von dem vielen Guten, dass aus diesem gewaltlosen Wort hat wachsen d\u00fcrfen, soll in der Ausstellung \u201eAlles Leben str\u00f6mt aus dir\u201c (siehe Anl\u00e4sse) in Erinnerung gerufen werden.-<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein Segen, dass die Reformation hierzulande gr\u00f6sstenteils ohne Gewalt, durch das gepredigte Wort, mit Achtung vor dem menschlichen Gewissen vonstatten gehen durfte. 500 Jahre sp\u00e4ter feiern wir in unseren Kirchen das Jubil\u00e4um derselben. \u201eNon vi\u201c gilt, Gott sei Dank, auch bei uns noch immer. Wir achten das Gewissen unserer Mitmenschen und sind trotz der kriegerischen Zeiten darin wir leben und der mehr und mehr kriegerischen T\u00f6ne, die wir von Verantwortlichen zu h\u00f6ren bekommen, immer noch zutiefst \u00fcberzeugt, dass keiner gezwungen werden soll, etwas gegen seine \u00dcberzeugung zu glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber steht es mit dem \u201everbo\u201c, \u201edurch das Wort\u201c?-<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation heute ist der damaligen gar nicht so un\u00e4hnlich. Nicht dass in unseren Kirchen noch Ablasshandel getrieben w\u00fcrde und man gegen Geld sein Seelenheil kaufen k\u00f6nnte (anders in der Klimapolitik, wo man mit CO2 Abgaben ein reines Gewissen kaufen kann&#8230;.). Doch haben Generationen von Pfarrern durch eine scheinbar \u201eaufgekl\u00e4rte\u201c Theologie das Wort Gottes (und damit auch alle anderen W\u00f6rter) so sehr verfl\u00fcssigt, dass es sich an vielen Orten in Luft aufgel\u00f6st hat und ein \u201esed verbo\u201c \u201edurch das Wort\u201c kaum mehr m\u00f6glich ist. Jeder nimmt aus dem Bibelwort das, was ins modernistische Weltbild passt, der Rest wird als voraufkl\u00e4rerisch abgetan und wer solches ernsthaft noch verk\u00fcndet oder glaubt, mitleidig bel\u00e4chelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute muss sich kaum noch irgendwo ein Gottesdienstteilnehmer anh\u00f6ren, dass er f\u00fcr seine S\u00fcnden in die H\u00f6lle kommen k\u00f6nnte. Doch ist das wahr? Entspricht es dem Wort, daraus die Kirche gem\u00e4ss den Reformatoren ihr Leben hat? Kann es sein, dass die Gnade Gottes zu billig geworden ist? Losgel\u00f6st von Leiden und Sterben Jesu Christi, von pers\u00f6nlicher Reue und Umkehr zu Gott, vom Gehorsam gegen\u00fcber seinem Wort?-<\/p>\n\n\n\n<p>Ich meine nicht, dass wir Pfarrer den Gemeindegliedern wieder die \u201eH\u00f6lle heiss machen\u201c sollten. Doch scheint mir die Frage angebracht und ernsthaft zu erw\u00e4gen: \u201eK\u00f6nnte es sein, dass die Verk\u00fcndigung eines falschen Gottes, eines Gottes, der seine Gnade verschleudert und sich gar den Menschen anbiedert, die Kirchen so irrelevant hat werden lassen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Kirchen in unserem Kanton (und Land) h\u00e4ngt viel davon ab, dass uns nicht nur das \u201enon vi\u201c \u201enicht durch Gewalt\u201c erhalten bleibt, sondern auch das \u201esed verbo\u201c \u201esondern durch das Wort\u201c wieder neu geschenkt wird. So dass die einzelnen Christen und dann vielleicht auch die Kirchen 500 Jahre nach der Reformation wieder durch das Wort Gottes von innen her reformiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrer David M\u00e4gli<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Hondwiler Bl\u00e4ttli, 2. Quartal 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wort des Pfarrers Zur\u00fcck zum Wort 500 Jahre ist es her, als in die Appenzeller an der Landsgemeinde in Appenzell entschieden haben, dass kein \u201ekein Priester und Prediger fortan etwas anderes lehren solle, als was er aus der heiligen Schrift &hellip; <a href=\"https:\/\/kirchehundwil.ch\/?p=7489\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7489","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7489"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7490,"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7489\/revisions\/7490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kirchehundwil.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}