Schönes Wochenende!

Wort des Pfarrers

Wenn die Glocken am Sonntagmorgen die neue Woche einläuten

Diesen kurzen Wunsch hören wir oft. Und die meisten sagen ihn ebenfalls häufig. Wenn am Freitag die Schule aus oder Feierabend ist, wenn wir am Freitag oder Samstag jemanden antreffen unterwegs, beim Einkaufen in der Metzgerei, im Hirschen oder auf dem Weg zur Höhi.

Selbstverständlich wünscht man dem Anderen damit einen schönen, guten, erholsamen Samstag und Sonntag.

Doch das war nicht immer so. Und was die meisten nicht mehr wissen; es ist falsch. Die Woche endet am Samstag und beginnt mit dem Sonntag, dem eigentlichen ersten Tag der Woche.

Den einfachen Beweis dafür finden wir in unserer Sprache. Diese bezeichnet den Mitt-woch als Mitte der Woche und nicht den Donnerstag.

Der Samstag ist das Wochenende und der Sonntag ist der Wochenanfang. Gemäss des biblischen Berichts, an welchem Gott am Sonntag die Schöpfung der Welt begonnen und am Samstag (Sabath) vollendet und geruht hat (1. Mose 2, 1 ff.).

Ausgehend von der jüdischen Tradition war auch für die Christen der Samstag das Wochenende und zu Beginn der Kirche zugleich der Ruhetag, das heisst, für diejenigen, die keine Sklaven waren. Auch die ersten Christen feierten am Samstag den Gottesdienst. Am Sonntag, dem Beginn der Woche wurde gearbeitet.

Weil aber laut den Evangelien Jesus Christus an einem Sonntag auferstanden ist („Früh am ersten Tag der Woche“ heisst es übereinstimmend), sammelten sich die Christen, für die es möglich war bald auch am Sonntag zum Gottesdienst.

Im Jahr 321 definierte der römische Kaiser Konstantin den Sonntag für alle Bewohner seines riesigen Reiches verpflichtend als Feiertag, an welchem nicht gearbeitet werden sollte, damit alle die Möglichkeit hätten, am Tag der Auferstehung des Herrn sich zum Gottesdienst zu sammeln.

So hat der Sonntag in der Kirche langsam den Sabbath als freien Feiertag für den Gottesdienst abgelöst. Doch immer war klar, dass der Samstag der letzte Tag der Woche ist und der Sonntag der erste Tag.

Fast 2 Jahrtausende fand in dieser Gestaltung der Woche die Botschaft des Evangeliums einen den Alltag der Menschen ganz grundlegend prägenden Ausdruck:

Wir Christen müssen uns das Gute und auch das Heil nicht verdienen mit unseren Werken. Wir können es ja gar nicht, so sehr wir uns auch bemühen. Gott schenkt es uns! Das viele Gute, das unsere Leben hier auf Erden wert und reich macht und auch das ewige Heil in Jesus Christus, dem wir unser Vertrauen schenken und nachfolgen sollen. Diese Gnade hat über viele Jahrhunderte das Leben der Menschen geprägt.

Nicht mit dem für viele ungeliebten Montag beginnt die neue Woche, da wir uns unser Glück selbst zu erarbeiten versuchen müssen, sondern mit dem freien Sonntag, da Gott uns sein Evangelium und seinen Segen schenkt, daraus alles Gute und das Heil fliesst.

Erst ein halbes Jahrhundert ist es her, seit das offiziell geändert wurde. Am 1. Januar 1976 wurde die von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) empfohlene radikale Neuordnung der Woche in der Schweiz, Deutschland und Österreich eingeführt.

Der Sonntag als Tag der Schöpfung und Tag der Auferstehung, als Tag des allerersten Anfangs und als Tag des Neuanfangs wurde offiziell degradiert zum Ende der Woche. Er soll nicht mehr der Anfang der neuen Woche sein im Licht der Gnade Gottes, da Gott uns alles schenkt, sondern ein reiner Erholungstag von der Arbeit am Ende der Woche, da die Arbeiter ihre verdiente „Freizeit“ auskosten und sich wieder fit machen für die nächste Wochenschicht.

Es ist bezeichnend, dass in den entscheidenden Kommissionen damals nur Vertreter der Wirtschaft, (Informations-)Technologie, Logistik und Bürokratie und keine der Kirchen sassen. Man wollte damit den rasanten Änderungen, welche die Automatisierung und aufkommende Digitalisierung mit sich brachte, eine für alle geltende Ordnung geben. Da stand der Sonntag als Anfang der Woche quer, weil die Arbeitswoche am Montag begann.

Zudem hatte sich im Bewusstsein vieler Menschen bereits das Wochenende als Samstag und Sonntag festgesetzt. Man ging in Folge der liberalen Theologie und im Zuge der Industrialisierung je länger je weniger am Sonntag in die Kirche, sondern erholte sich mit aufkeimenden „Freizeit“ – Angeboten.

So das heute der Sonntag für viele Menschen zusammen mit dem Samstag das „freie“ Wochenende bildet, das man sich durch die Arbeit von Montag bis Freitag redlich verdient zu haben meint und da man die „freie Zeit“ mit Konsum aller Art füllt. (Das erste Mal findet sich im Duden das Wort Wochenende 1915. Da noch im alten Sinn des Samstags).

Es mag unbedeutend erscheinen, doch meines Erachtens hängt davon mehr ab, als wir uns vorstellen können.

Lassen wir uns weiterhin vom wirtschaftlichen Leistungs- und Profitmaximierungsdenken beherrschen, das schon fast alle Bereiche des Lebens beherrscht? Und werden weiter geprägt in der irrigen Vorstellung, dass wir die Ruhe des „Wochenendes“ verdient hätten? Und dann, nach einem tüchtigen Leben auch die ewige Ruhe im Reich Gottes? –

Die vier Glocken im Turm unserer Kirche rufen uns (mit erneuertem Klang) jeden Sonnabend das Gegenteil zu, wenn sie die alte Woche ausläuten und mit dem Sonntag die neue Woche einläuten. Und dann am Morgen der neuen Woche, wenn sie uns einladen zum Gottesdienst.

Wir dürfen uns am Anfang der neuen Woche im Namen Gottes versammeln und von ihm in seinem Wort gelehrt, zurechtgewiesen, getröstet und gestärkt werden und je und je im Abendmahl die Gemeinschaft mit ihm erneuern. Um dann so auferbaut mit seinem Segen den ersten Tag der Woche in Ruhe zu verbringen, um dann am zweiten Tag der Woche mit frischen Kräften und frischer Zuversicht, die Arbeit an die Hand zu nehmen, im Wissen:  Wir dürfen und sollen treu unsere Arbeit tun, mit der Bitte, dass Gott sie segnet und ihr gute Früchte angedeihen lasse und im Vertrauen, dass er vollenden wird, was er an uns angefangen hat. –

Vielleicht können wir das hier und da wieder neu lernen und wünschen uns als Ausdruck dieses Denkens dann reflektierter ein „schönes Wochenende“, oder vielleicht „einen schönen Sonntag“ oder „einen guten Wochenwechsel“. Und wachsen auch da hinein, in die Freiheit, die Gott seinen Kindern geben will.

Pfarrer David Mägli

Quelle: Hondwiler Blättli, 3. Quartal 2026