Die Zeitenwende

Wort des Pfarrers

Zum Jahresanfang 2022

2022. Diese Zahl wird nun überall auf der Welt auf amtlichen Dokumenten, auf Zeitungen, auf privaten Briefen, Mails, Kassenzetteln und an vielen anderen Orten ein Jahr lang zu lesen sein. So lange bis es dann im nächsten Jahr überall 2023 heissen wird. Für die meisten von uns ist das einfach so. So wie wir es gewohnt sind, dass am nächsten Morgen wieder die Sonne aufgeht (doch heisst das eigentlich, dass es selbstverständlich ist? G. K. Chersteron hat passend dazu gesagt: „An Wundern ist niemals Mangel in dieser Welt, sondern nur am Sichwundernkönnen.“), so zählen wir jedes Jahr ein Jahr mehr. Wir erinnern uns noch daran, als es vorne eine 19 war. Einige von uns erinnern sich sogar noch in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nun sind wir im Jahr 2022. 2022 von was? –

Wenn ich im Religionsunterricht die Kinder jeweils frage, in welchem Jahr wir sind und danach weiter frage, womit denn diese Zählung einmal angefangen hat, dann weiss selten eines die Antwort. – Wir zählen unsere Jahre nach Christus, n. Chr.! Wir sind im Jahr 2022 nach der Geburt Jesu Christi. Der erste Heilige Abend damals in Bethlehem, ist die Zeitenwende. Die Geburt des Gottessohnes, die Menschwerdung Gottes ist es, nach der wir, und so ziemlich die ganze Welt, unsere Jahre zählen. (Auch wenn Jesus vermutlich vor dem Jahr 1 geboren worden ist.) Es hat in Europa im Frankreich der französischen Revolution oder auch in der DDR Bestrebungen gegeben, diesen Bezug zum Gottessohn auszumerzen und eine eigene Zeitrechnung zu etablieren, doch ist der gregorianische Kalender bis heute auf der ganzen Welt dominierend. Auch in Ländern des Islam und in den Ländern Asiens ist die Jahreszählung nach Christi Geburt etabliert.

Am Anfang dieses Jahres 2022 ist es angebracht, wenn wir uns das wieder einmal bewusst werden: Wir zählen unsere Jahre nach Christus! Seit seiner Geburt ist etwas anders. „Immanuel“ wird Jesus Jahrhunderte vorher in einer Schau des Propheten Jesaja (7,14) genannt, „Gott mit uns“. Was seit seiner Geburt auf Erden geschieht, geschieht in einem anderen Licht. Nicht mehr nur zu Israel, auch zu den Heidenvölkern neigt sich der Schöpfer in seinem Erbarmen. Daran haben uns an der Sonntagsschulweihnacht die drei Weisen aus dem Morgenland wieder erinnert. Auch zu unseren Vorfahren hier im Land der Alemannen ist das Evangelium gekommen, so dass auch wir das vergangene Jahr trotz allem wieder beschliessen durften mit der frohen Botschaft: „Welt ging verloren, Christ ist geboren, freue dich, freue dich, o Christenheit“ –

Einige kennen noch die lateinische Bezeichnung „Anno Domini“. Das sagen wir manchmal noch, meist um auszudrücken, dass etwas schon lange her ist. Vollständig heisst es „Anno Domini nostri Jesu Christi„, auf deutsch „im Jahr unseres Herrn Jesu Christi.“ Die Jahre, die seit dem ersten Heiligen Abend verflossen sind, diese gut 2022 Jahre, sie sind Jahre des Herrn, des Christus. Durch sein Werk, seine Geburt, sein Sterben und Auferstehen hat er sich zum Herrn auch unserer Jahre gemacht. Sie gehören ihm. Nichts von dem was geschieht, im Himmel und auf Erden, geschieht ohne ihn und niemand der ihm glaubt, ist ohne ihn (Matthäus 28, 20).

Die Zeiten mögen unsicher sein: Wann werden wir aus der momentanen Krise wieder rauskommen? Werden wir es überhaupt?- Und wie wird es dann sein? – Werden wir und unsere Kinder weiter in Frieden und Wohlstand leben dürfen? (Den wir ähnlich wie den täglichen Sonnenaufgang für selbstverständlich nehmen und vergessen, dem Schöpfer dafür zu danken.) Oder werden schwere Zeiten kommen, vielleicht sogar leidvolle? –

Auch angesichts solcher Fragen dürfen wir uns von der Jahreszahl wieder erinnern lassen: Ganz gleich, was es bringen wird, das Jahr 2022, 2023 und so weiter, jedes Jahr ist jeweils wieder ein Jahr unseres Herrn Jesus Christus, ein Anno Domini nostri Jesu Christi. Das sollen und dürfen wir uns bewusst sein, wenn wir die Jahreszahl irgendwo sehen, hören oder selber davon schreiben, reden. (Deshalb ist es wohl auch gut, nicht nur abgekürzt vom „22“ zu schreiben und zu reden, sondern bewusst immer auch die zwei Jahrtausende vorher zu nennen, 2022.) –

Um 1000 v. Chr. hat der König Israels, David, der ehemalige Hirtenjunge, seine Psalmen geschrieben, die über drei Jahrtausende bis auf den heutigen Tag von Unzähligem gebetet worden sind. Auch den Psalm 31, wo es im 15. Vers heisst: „Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine (unser aller) Zeit steht in deinen Händen.

Pfarrer David Mägli